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WGD

Einfach zum Nachlesen - Predigt vom Sonntag, 21.6.2026

Die Predigt unseres Wortgottesdienst-Leiters Gerald Lapanje vom Sonntag, 21.Juni 2026, einfach zum Nachlesen:

Liebe Schwestern und Brüder

Wer das Evangelium vom letzten Sonntag gehört hat, hat sicher erkannt, dass die heutige Schriftlesung die Fortsetzung über die Erwählung und Aussendung der Jünger ist.

Alfred Jokesch hat in seiner Kolumne im letzten Sonntagsblatt dieses Thema mit der derzeit stattfindenden Fußball Weltmeisterschaft verglichen. Vorigen Sonntag haben wir die Namen der Jünger quasi die Aufstellung der Kampfmannschaft erfahren und heute wird sozusagen die Taktik das Briefing ausgegeben. Was auffällt und wer mitgezählt hat: „Fürchtet euch nicht“ kommt 3 mal vor. Bei einer Fußballmanschaft gehe ich davon aus, dass niemand sich vor dem Gegner fürchtet, sondern sich gut vorbereitet, um das Match zu gewinnen.

In der Bibel gibt es mehrere Stellen, wo dieser Satz vorkommt – meist, wenn Engel erscheinen, um eine Botschaft zu überbringen. Aber warum 3 mal die "Fürchten" Floskel im heutigen Evangelium? Wer im Matthäus Evangelium nachliest, erfährt im Zwischenteil, also der Text zwischen den beiden Evangelien, wie sich die Jünger auf ihrer Mission der Verkündigung des Wortes Gottes zu verhalten haben und was sie erwartet. Und wir lesen dort die bezeichnete Aussage: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“.

Um die Worte besser zu verstehen müssen wir uns die damalige Situation vorstellen. Die ersten Christinen und Christen (damals eine Minderheit) wurden verfolgt. Despoten wie Herodes oder Kaiser Nero um einige Namen zu nenne sind uns bekannt.

Daher konnten sie sich nur im Geheimen, im Schutz der Dunkelheit, treffen. Das Geheimzeichen, um sich zu erkennen, war ein Halbkreis in den Sand gezeichnet – wenn das Gegenüber ebenfalls einen Halbkreis zeichnete, so wurde mit der Überschneidung der Schwanzflosse ein Fisch daraus.

Zeigen

Bei diesen Zusammenkünften, so kann ich mir vorstellen, wurde die Botschaft Jesu ganz geheim leise von Ohr zu Ohr geflüstert. Und gerade in dieser Situation sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Fürchtet euch nicht“.

Verkündet die Botschaft öffentlich und laut - nicht im geheimen – habt keine Angst - sie können euren Leib, nicht aber eure Seele töten – also ein Aufruf zum Märtyrertum.

Und wer glaubt, das war nur vor fast 2000 Jahren, der irrt, Christenverfolgung ist heute aktueller den je. Syrien, Irak, Pakistan, Nigeria oder Nordkorea sind einige Beispiele.

Für uns, die wir hier in Europa fast wie im Paradies leben und die Religionsfreiheit in den Gesetzen verankert ist, hat das „Fürchtet euch nicht“ wie ich meine, eine neue wichtige Bedeutung. Ein Weckruf !

Weil wir keine Repressalien bei der Ausübung unserer Religion erfahren ist es ganz selbstverständlich geworden Christ zu sein. Steht doch das Kürzel „RK“ in unseren Stammdaten. Ach Ja, und da gibt es noch die Kirchensteuer!

Aber stehen wir im Alltag ein, Christ zu sein?

Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass christliche Traditionen und Feiern, (Sie, die sie mit mir diesen Sonntagsgottesdienst feiern, sind ausgenommen), fast nicht oder halbherzig gepflegt werden. Taufe, Erstkommunion und Firmung, um einige zu nennen, feiert man halt, es ist einfach üblich, und werden quasi als Events gesehen. Begräbnisse bzw. Verabschiedungen finden meist in Krematorien statt und wie ich erst vor kurzen erleben musste, ohne Gebet, ohne ein Vater unser. Nein, nicht einmal ein Segen!

Kirchliche Feiertage , und damit höre ich schon auf zu unken, werden als freie Tage als selbstverständlich angenommen. Der religiöse Grund dafür ist Vielen nicht oder nicht mehr bekannt.

Momentan, und das ist sehr interessant, läuft bis morgen ein Volksbegehren über die Einführung eines zusätzlichen Feiertags am Karfreitag unter dem Titel „Karfreitag für Alle“. Den evangelischen Christen wurde ja vor einigen Jahren dieser bei ihnen höchste Feiertag als freier Tag aberkannt.

Bernd Melichar (übrigens ein Mitglied unserer Gemeinde) hat erst kürzlich in einer Kolumne einer großen steirischen Tageszeitung zum Fronleichnahmsfest festgestellt. Ich zitiere:

„Im Lifestyle Portfolio vieler Menschen hat Fronleichnam freilich keinen Platz mehr. Der Feiertag wird gerne konsumiert, die Bedeutung dahinter verschwindet zunehmend. Zu abstrakt und metaphysisch ist der Glaubenshintergrund; zu mühsam, sich damit zu beschäftigen.“ Zitat Ende.

Sie, die sie mit mir hier diese Wortgottesfeier begehen, sind, und das ist jedem bewusst, eine Minderheit. Wir erleben Sonntag für Sonntag Gemeinschaft in Wort und Brot. Und gerade das heutige Evangelium sagt „du bist wertvoll“ und ruft uns auf „ Fürchtet euch nicht!“ Geht hinaus und werdet, jeder nach seiner Möglichkeit, Botschafter und begeistert unsere Schwestern und Brüder von der Liebe Gottes, dass einer auf uns schaut, dass Gott uns kennt – wie wir im Evangelium gehört haben, sogar die Anzahl unserer Haare sind bekannt – und das er sich zu jedem der sich von den Menschen zu ihm bekennt, auch vor seinem Vater im Himmel bekennen wird.

Eine interessante Art des Bekennens haben wir in der letzten Zeitschrift „Grüß Gott“ der Diözese Graz Seckau erfahren. Menschen die ihren Glauben so zeigen, das er wirklich unter die Haut geht. Die mittels Tattoos ihre innere Überzeugung nach außen tragen. Die Meinungen und Geschmäcker zum lebenslangen Tragen dieses Körperschmuckes werden in der Gesellschaft unterschiedlich wahrgenommen, aber das öffentliche Zeigen seines Glaubens auf diese Art finde ich sehr mutig.

Auch wenn wir uns nicht so exponieren, lebt ein jeder seinen Glauben und wir hier unsere Gemeinschaft. Wir sind eine sehr lebendige Gemeinde und darauf können wir wirklich stolz sein.

Wenn wir in die Zukunft schauen brauchen wir nicht verzagen den Jesus ruft uns auf und versichert uns das wir ohne Angst leben dürfen, wir uns auch nicht vor dem Neuen in unserer Pfarre Hausmannstätten in ein paar Monaten nicht fürchten müssen.

Jeder Umbruch bietet die Chance für einen neuen Aufbruch und wie wir in der Lesung gehört haben steht uns der Herr immer bei. Schauen wir zuversichtlich in die Zukunft unserer Pfarre und unseres Seelsorgeraumes. „Fürchtet euch nicht „!

Amen

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